Kissa kann wieder Laufen!

„Kissa kann wieder Laufen“ – als die Email aus Rungwe kam, waren wir alle sehr berührt. Der jungen Frau Kissa mussten nach einem falsch behandelten Infekt beide Unterschenkel amputiert werden. Dank des Einsatzes der Projektverantwortlichen vor Ort und zahlreicher Spenden aus aller Welt hat Kissa nach mehr als einem Jahr nun zwei Prothesen erhalten, lernt wieder Laufen und steht buchstäblich wieder auf eigenen Füßen.

 


Immer wieder erreichen uns über die Projektverantwortlichen vor Ort Anfragen, in denen es um Einzelschicksale geht. Der Vorstand von Sara überprüft dann in enger Abstimmung mit den Mitgliedern, wann wir mit Spenden unterstützen. Grundsätzlich stehen für uns Projekte, die Hilfe zur Selbsthilfe bieten, an erster Stelle. So wie die HIV-Selbsthilfegruppe, das Nähprojekt oder die Ausbildung von Mädchen auf weiterführenden Schulen.

Auch als uns die Geschichte von Alexander erreichte, beschlossen wir, ihn zu fördern. Alexander ist HIV Positiv (über ihn wird auch im Film "Just like You" erzählt), er geht
in die 6. Klasse der Primary School und interessiert sich sehr für Naturwissenschaften. In einem ersten Gespräch gestand Alexander, dass er sich so sehr ein Fahrrad wünsche – und Bücher über Naturwissenschaften. Sein Traum ist der Besuch einer weiterführenden Schule. Mit Spenden möchten wir ihm zunächst den Förderunterricht in Naturwissenschaften und Englisch sowie Sachbücher finanzieren, damit er sich auf den Besuch einer weiterführenden Schule vorbereiten kann. Ab 2018 könnte Alexander dann auf eine weiterführende Schule gehen, die sich auf Naturwissenschaften spezialisiert hat.

Fragebogen Köpfe: Kondwani Chiwina

Chiwina

Der Fragebogen war früher ein beliebtes Gesellschaftsspiel. So füllte ihn der Schriftsteller Marcel Proust nach eigenem Bekunden in seinem Leben gleich zweimal aus, viele prominente Köpfe haben ihn im FAZ-Magazin beantwortet. Angelehnt an diese Idee möchten wir auf dem SARA Blog mit dem Fragebogen Menschen vorstellen.
Wir starten mit unserem Vorstandsmitglied Kondwani Chiwina. Er kommt ursprünglich aus Malawi, lebt und arbeitet heute in Lübeck als Software-Ingenieur bei Balvi. Kon ist  ist 36 Jahre alt und ledig.

 

Wie muss ein Tag für Sie beginnen, damit es ein guter Tag wird?
Ein guter Tag beginnt für mich immer mit einem guten Frühstück und internationalen Nachrichten. Entweder höre ich die Nachrichten im lokalen deutsche Radio oder gucke ich sie auf internationalen Sendern wie CNN oder BBC im Fernsehen.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Dass ich mal als Kind während der Hungernot in Malawi grüne Bananen gestohlen habe. Aber ich hatte mich ja zwei Tage lang nur von gekochten grüne Mangos ernährt. Da bekommt man am Ende keine Energie mehr und fängt langsam an, die Hoffnung zu verlieren. Ohne Hilfe im Visier war das unsere einzelne Option zu Überleben.

Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Damals wollte ich immer ein Soldat werden. Ich weiß nicht ganz genau, warum ich solche Träume hatte. Aber die Uniform, die Teamarbeit und die Waffen hatten mich immer fasziniert. In 2001 bin ich auf diesem Weg gegangen, aber ich habe in der Armee schneller gemerkt, dass ich mich dort nicht wohl fühle. Nach drei Monaten in der Armee habe ich aufgehört und mich an der Universität von Malawi angemeldet.

Und was sind Sie heute von Beruf?
Ich arbeite heute als Software-Ingenieur in Lübeck.Meine Arbeite umfasst die Ermittlung der fachlichen Rahmenbedingungen zur Erstellung, Weiterentwicklung und zum Betrieb von Softwaresystemen für den gesundheitlichen Umwelt- und Verbraucherschutz.

Wo möchten Sie leben?
Ich lebe gerne hier an der Ostseeküste und Ich möchte weiterhin hier leben. Hier treffen sich zwei Ökosysteme, das Meer und das Land, und das an sich ist für mich sehr besonders.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Ich denke Singen zu können

Es gibt nichts Schlimmeres als…
…zu wissen, dass das Leben ein Ende hat, aber man weiß nicht genau, wann das sein wird.

Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Bruder Roger Schutz, der Gründer der Taize‘ Gemeinschaft

Ihre Lieblingstugenden?
Geduld, Ausdauer und Empathie

Mit wem würden Sie gerne einmal am Tisch sitzen?
Barack Obama, Dalai Lama, Aliko Dangote

 

Lieber Kon, herzlichen Dank für Ihre Offenheit!


Haben Sie auch einmal Lust, den Fragebogen für uns auszufüllen? Wir würden uns freuen! Melden Sie sich gerne bei uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

(Susanne Boll)

Film „Just like you“ jetzt auf Youtube anzusehen

Er feierte Premiere am 1. Dezember 2015, dem Welt-AIDS-Tag, in Basel, wir konnten ihn im Dezember in Hamburg, Lübeck und Berlin vorführen: den Film „Just like You“. Wir freuen uns, dass das filmische Portrait der HIV-Selbsthilfegruppe Lusubilo in Rungwe/Tansania jetzt auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist - im Internet bei Youtube:

"Just like You" auf Deutsch

"Just like You" auf Englisch

"Just like You" auf Suaheli

Für Nicholas Calvin, den jungen tansanischen Regisseur, erfüllt sich nach der Vorstellung in Europa jetzt ein weiterer Herzenswunsch: Der Film ist beim Filmfestival in Zanzibar angemeldet, welches im Juli 2016 stattfindet.

Die Pfarrerin Melania Mrema Kyando, Leiterin der HIV-Lusubilo-Selbsthilfegruppe, war in Surinam in Südamerika und hat dort den Film und ihre Projekte vorgestellt. Nun gibt es sogar Bestellungen für eine DVD des Films aus Nepal, Indonesien und Peru.

Weil bei den Filmvorführungen in Deutschland das Interesse so groß war, können auch wir DVDs des Films, die von Mission 21 hergestellt werden, bestellen und weitergeben. Bei Interesse melden Sie sich gerne bei uns:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

(Susanne Boll)

 

Neue Hilfe zur Selbsthilfe: African Beads

Mai 2016 - Das südliche Hochland von Tansania ist ein überwiegend ländliches Gebiet. Die Menschen dort leben von dem, was sie selber anbauen, Einkommen kann ansonsten kaum generiert werden. Es ist auch ein Gebiet mit einer hohen HIV-Infektionsrate. In einem neuen Projekt werden jetzt speziell alleinerziehende junge Frauen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, gefördert. Eine Gruppe von ihnen hat an einem Kurs zur Perlenarbeit („beadwork“) teilgenommen.

 

 

Die ersten Produkte sind sehr vielversprechend und sie werden gemeinsam mit den Produkten der Nähgruppe „Pamoja Tunaweza“ vermarktet. So können die jungen Frauen sich hoffentlich bald ein eigenes Einkommen erwirtschaften.

(Susanne Boll)

„Just like You“ – Dokumentarfilm auf Station im Norden

 „Die Menschen zeigten mit dem Finger auf mich. Wenn ich Bier braute, sagten sie: „Du bist infiziert.“ Doch ich sagte ihnen: „Ja, ich bin infiziert. Ich weiß es, weil ich mich habe testen lassen. Ich kenne meine Situation. Wie ist das mit dir? Bist du sicher, dass du nicht auch infiziert bist?“ Lydia Saimoni Mwakalinga ist 51 Jahre alt – und erzählt ganz offen vor der Kamera von ihrer Erkrankung mit dem HI-Virus. Und nicht nur das: Sie hilft mit ihrer Geschichte mit, über AIDS aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Im Dokumentarfilm „Just like You“ kommen die Menschen selber zu Wort, äußern sich zu ihrer Krankheit und ihren Erlebnissen mit ihren Familien und Freunden. Sie meistern ihren Alltag, haben mit Vorurteilen zu kämpfen – und trauen sich doch, sich offen zu ihrer Erkrankung zu bekennen. Das ist vielleicht das eindringlichste an diesem berührenden filmischen Portrait der der HIV-Selbsthilfegruppe Lusubilo in Rungwe/Tansania.

Insgesamt rund 150 Zuschauer haben an drei Tagen bei uns im Norden den Film gesehen. Froh und dankbar für diese doch sehr stattliche Zahl blicken wir deshalb auf die Vorführung von „Just like You“ in Hamburg, Lübeck und Potsdam zurück. Seine Premiere feierte der Film am 1. Dezember 2015, dem Welt-AIDS-Tag, in Basel in der Schweiz. Vor allem Johannas engagiertem Einsatz ist es zu verdanken, dass wir ihn auch hier vorführen konnten. Erster Gastgeber Norddeutschlands war am Sonntag, den 6. Dezember 2015 das Alabama-Kino in Hamburg. Im Kommunalen Kino KoKi in Lübeck wurde der Film am 7.12. vorgestellt, das Kino am Mediencampus des Babelsberger Filmgymnasiums zeigte ihn in zwei Vorstellungen am 8.12. Der junge tansanische Regisseur Nicholas Calvin, Koproduzentin Claudia Zeising und die Leiterin der Lusubilo-Selbsthilfegruppe Pfarrerin Melania Mrema Kyando begleiteten ihren Film und standen im Anschluss an den 40-minütigen Film für Fragen der Zuschauer zur Verfügung: Wie viele HIV-Erkrankte gibt es in Tansania? Wer bezahlt die Medikamente? Wie groß sind die Vorurteile?

Der erste Film des jungen Regisseurs Nicholas Calvin soll nicht sein letzter sein: Er will das Thema in Folgeprojekten weiter begleiten. Zudem wollen er und Melania Mrema Kyando den Film zur Aufklärung an Schulen und öffentlichen Orten vorstellen. Auch bei uns wird es den Film zu Beginn kommenden Jahres geben. Die DVD’s werden von Mission 21 hergestellt und könnenüber SARA vorbestellt werden.

Wir freuen uns vor allem über das Interesse und auch die neuen Kontakte zu anderen engagierten Organisationen. An dieser Stelle wollen wir uns vor allem noch einmal bedanken, denn die Filmvorführung ist nur dank zahlreicher Unterstützer zustande gekommen. Unser Dank geht insbesondere an das Forum für Migrantinnen und Migranten der Hansestadt Lübeck (www.forum-hl.de), die Kinobetreiber des Alabama Kino in Hamburg und des Kino Koki in Lübeck, sowie zahlreiche ehrenamtlich Engagierte.

Weitere Berichte zum Film finden Sie auf der Webseite des Mediencampus Babelsberg sowie auf der Seite von Mission 21.

Just Like You - Einladung zur Filmvorführung

JUST LIKE YOU - Einladung zur Filmvorführung


Der Dokumentarfilm „Just like You – wie Du und ich“ erzählt von Menschen im Südwesten Tansanias, die mit dem HI-Virus infiziert sind. Der tansanische Filmemacher und Regisseur Nicholas Calvin Mwakatobe begleitet die Betroffenen in ihrem Alltag und gewährt den Zuschauern sehr persönliche Einblicke. Wie Du und ich – so müssen diese Menschen ihren täglichen Aufgaben gerecht werden. Eindringlich, ehrlich und in ihren eigenen Worten erzählen sie von ihrer HIV-Infektion und was es für sie bedeutet, mit Aids zu leben. Der Film portraitiert auch die engagierte Pfarrerin Melania Mrema Kyando und wie sie mit der Lusubilo-Selbsthilfegruppe und ihrer Aufklärungsarbeit den Menschen Mut macht, das Tabu des Schweigens zu brechen.

Zu Gast: Die Pfarrerin Melania Mrema Kyando (Rungwe/Tansania) sowie der Regisseur Nicholas Calvin Mwakatobe (Dar es Salaam/Tansania) stehen im Anschluss an den Film (Dauer ca. 40 Minuten) für Gespräche zur Verfügung.
Termine

Hamburg am 06.12.15 um 18:00 Uhr im Alabama Kino
Jarrestraße 20, 22303 Hamburg.

Lübeck am 07.12.15 um 18:00 Uhr im Kommunalen Kino (Kino Koki)
Mengstraße 35, 23552 Lübeck.

Potsdam am 8.12.2015 um 19:00 Uhr im Mediencampus Babelsberg,
Großbeerenstraße 187, 14482 Potsdam.


Der Eintrittspreis beträgt 5,00 Euro. Davon gehen 2,50 Euro als Spende an das Projekt.

Den Einladungsflyer können Sie hier herunterladen.

Informationen zum Projekt:

Verein zur Förderung der Entwicklung
ländlicher Räume im südlichen Afrika e.V.
www.saraverein.org
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FORUM FÜR
MIGRANTINNEN UND MIGRANTEN
IN DER HANSESTADT LÜBECK
www.forum-hl.de
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Claudia Zeising zu Besuch in Lübeck

Große Freude im April bei SARA: Claudia Zeising, die für wenige Wochen auf Heimatbesuch in Göttingen war, nutzte ihren Deutschlandaufenthalt, um auch einen Abstecher nach Lübeck zu machen. Am Mittwoch den 29. April 2015 berichtete sie den Vereinsmitgliedern ausführlich über die Lage vor Ort in Rungwe und den aktuellen Stand der von uns unterstützten Projekte. Schön war es zu hören, welche Fortschritte die Mädchen machen, deren Ausbildung SARA unterstützt. Claudia brachte uns neue, wertvolle Informationen zu den weiterführenden Schulen mit, die die Mädchen vor Ort besuchen. Auch ein neuer Schwung an hübschen und praktischen Produkten der Nähgruppe "Pamoja Tunaweza" erreichte uns. Die Produkte finden vor allem in Tansania guten Absatz, im nächsten Schritt plant Claudia, dass die Produzentinnen ihr Geschäft künftig in Eigenregie betreuen und verwalten.

Neben ihrem Engagement für die Ausbildung der Mädchen, für die Nähgruppe und die Aids-Selbsthilfegruppe berichtete Claudia Zeising von weiteren, vor Ort laufenden Projekten. Sie betonte, dass es oft mehrere Jahre dauere, bis nachhaltige Veränderungen sichtbar werden, aber die Hilfe zur Selbsthilfe funktioniere. Auch bei einem Projekt, was ihr sehr am Herzen liegt, geht es voran: Der Bau eines Gästehauses neben dem Ausbildungszentrum. Damit könnten auch Frauen von weiter außerhalb zu mehrtägigen Seminaren kommen. Und vielleicht zukünftig Touristen untergebracht werden, die den Mount Rungwe, den höchsten Berg im Süden des Landes, besteigen.
An dem Abend wurden viele Informationen und Ideen ausgetauscht – und vor allem alle Mitglieder wieder sehr motiviert, sich weiter kräftig für das Spendensammeln einzusetzen.

(Susanne Boll)

Dar Es Salaam – zwei Gesichter einer Stadt

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich denke Dar es Salaam, die Hauptstadt von Tansania, ist furchtbar! Es ist immer heiß, schmutzig, laut und man steht nur im Stau, wenn man versucht von A nach B zu kommen. Wer einen Job hat und vom Rande der Stadt am Morgen reinfährt, ist nicht selten zwei Stunden unterwegs, obwohl es nur wenige Kilometer sind. Am Abend dann das gleiche noch einmal. Der Stau –  in Swahili "foleni" - lebt hier in Dar es Salaam.

Wenn man mit dem Taxi im Stau steht, kann man den Alltag beobachten: Da sind Motoradfahrer, die sich irgendwie durchschlängeln, gefährliche Manöver, die nicht selten in einem Unfall enden. Je nachdem, wo man sich befindet, gibt es Bettler, oft behinderte Menschen oder Alte und auch Straßenkinder, die an das Auto klopfen und Geld wollen. Dann gibt es Verkäufer, die zwischen den Autos laufen und alles was man sich denken kann anbieten – Getränke, Essen, Zeitungen, Autozubehör, Gläser und Putztücher, DVD's, CD's, Elektronik, ... Sie leben vom Stau, denn würde der Verkehr flüssig fließen, hätten sie keine Chance.

Egal, wo man entlang fährt, überall sind Menschen zu Fuß unterwegs, die Straßen sind voll, alles ist in Bewegung – bis auf den Stau! Nicht alle Straßen sind geteert. Auch in der Stadt gibt es Schotter- und Sandpisten, und in mancher Seitenstraße Schlaglöcher so groß, das fast ein ganzes Auto reinpasst.

Ich glaube für die meisten Menschen, die hier leben, ist das Leben hart. Man versucht irgendwie durchzukommen, als Straßenverkäufer, kleiner Händler, Bajajifahrer (das sind die kleinen Rikschataxis), oder als Tagelöhner zum Beispiel. Selbst wer das Glück hat irgendwo angestellt zu sein, weiß nicht, ob er am Monatsende wirklich bezahlt werden wird. Auch Regierungsangestellte mussten schon mehrere Monate auf ihr Gehalt warten.

Aber es gibt auch das andere Seiten von Dar Es Salaam – dort, wo die Botschaften ihre Häuser haben, wo die Ex-pats leben und die Reichen. Hier stehen große Villen mit wunderschönen Gärten, ganze Parkanlagen. Umzäunt von hohen Mauern und Wachleute vor der Tür. Hier ist es ordentlicher, sauberer und ein wenig ruhiger. Es gibt Supermärkte und Cafés, in denen man zuvorkommend bedient wird und exklusive Geschäfte, wo zum Beispiel ein Weihnachtsbaumanhänger mehr kostet als manche im Monat verdienen. Die Geschäfte sind klimatisiert, sodass man sich erholen kann von der Hitze im Freien.

Manchmal flüchte ich mich hierhin, um ein wenig zur Ruhe zu kommen, Abstand von eher schwierigem Alltag zu bekommen, aber nie ganz frei von einem schlechten Gewissen denen gegenüber, die dies nicht können, die irgendwie überleben müssen.

(Claudia Zeising)

Dürfen Frauen Motorrad fahren?

Wenn man länger als sechs Monate irgendwo im Ausland lebt, dann muss man seinen internationalen Führerschein in einen nationalen umschreiben lassen. So auch in Tansania. Ich hatte dies lange ignoriert, aber irgendwann meinte dann einer der Verkehrspolizisten, die mich regelmäßig auf der Straße zwischen Rungwe und Mebya kontrollierten, dass es doch besser sei dies zu tun.

Also los: Foto machen, Formulare ausfüllen, alten Führerschein einreichen, ... Eigentlich nur eine Formsache und so schickten wir Phillipo, unseren Fahrer, um den neuen Führerschein abzuholen.

Er kam zurück ohne den Führerschein, meinte ich müsse persönlich beim Polizeichef vorstellig werden, es gäbe da ein Problem. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht nur einen Autoführerschein habe, sondern auch einen Motoradführerschein Klasse 1. Als ich nun ins Büro des Polizeichefs kam musterte dieser mich sehr streng und meinte er habe da ein Problem. Er könne mir durchaus meinen Autoführerschein übertragen, aber die Sache mit dem Motorrad fahren ...

Als Frau in meinem Alter wolle ich doch wohl nicht allen Ernstes auf ein Motorrad steigen, noch dazu als Fahrerin!

Nun, eigentlich ist es eine Frage des Prinzips. Auch wenn ich nicht die Absicht habe, in Tansania Motorrad zu fahren, der Führerschein steht mir zu. Mit sehr ernstem Gesicht versicherte mir der Polizeichef, dass er dies nicht verantworten  könne. Er würde keine Nacht ruhig schlafen können bei der Vorstellung, dass ich mit einem Motorrad unterwegs sei. Innerlich musste ich schmunzeln, nach außen gab ich nach, denn warum sollte ich Stress machen. Also bekam ich meinen Autoführerschein.

Als ich im Oktober mit Johannes Klemm in Tansania unterwegs war fanden wir auf einer Verkehrskarte folgendes Schild:

Vielleicht dürfen Frauen in Tansania ja einfach nicht Motorrad fahren.

(Claudia Zeising)

Unter Nonnen

In einer kleinen „Oase“ der katholischen Kirche in Msimbazi betreiben die „Schwestern des Padre Pio“ ein kleines Gästehaus. Es ist sehr einfach, aber die Zimmer sind sauber, haben eine Dusche und einen Ventilator. Was will man mehr. Auch das Essen ist einfach, aber schmackhaft und so kann man sich durchaus wohlfühlen, wenn man für wenige Tage in Dar Es Salaam sein muss.

Da das Gästehaus Teil eines Viertels ist, welches der Kirche gehört und damit entsprechend abgesichert ist, kann man sich hier frei bewegen. Für mich eine „Oase“ inmitten einer lauten, chaotischen und nicht ganz ungefährlichen Großstadt.

Schwester Apollonia, kurz Apollo genannt, und Schwester Teddy sind für das Gästehaus verantwortlich. Während Schwester Teddy sich um Küche, Haushalt und Organisatorisches kümmert, betreibt Apollo nebenher Landwirtschaft. Sie baut Gemüse an und versucht sich auch mit Obst. Zudem hat sie Hühner, Enten, Kaninchen und auch ein paar Schweine. Es ist überraschend wieviel sie dem steinigen, sandigen Boden abgewinnt, da spielt sicher auch das Beten eine wichtige Rolle.

Wenn man wie ich über mehrere Jahre immer wieder hierherkommt, gehört man zur Familie. Man trifft auch oft wieder die gleichen Menschen, aus vielen Teilen des Landes und so tauscht man sich aus, was seit dem letzten Zusammentreffen so passiert ist. Irgendwie ein Stück Zuhause fern von Zuhause.

(Claudia Zeising)

Reisanbau in Kyela

Die Region um Kyela ist ein großes Anbaugebiet für Reis und dieser Reis ist sehr beliebt. Leider kriegen die Kleinbauern oft nur einen geringen Preis, die Hauptverdiener sind nach wie vor die Zwischenhändler, die aus dem Norden kommen und die Ernte aufkaufen.

Es ist immer wieder interessant, den lokalen Markt zu besuchen. Dort sitzen die Frauen zwischen den Säcken von Reis, auf großen Planen liegt ungeschälter Reis zum Trocknen und ein „Rice huller“ läuft unermüdlich um den Reis zu „schälen“, eigentlich zu enthüllen, denn er entfernt die äußeren Spelzen. Diese werden dann wieder als Futter für Hühner und andere Tiere weiterverwendet.

Wenn man in Europa den Reis in Kochbeuteln kauft, macht man sich keinen Begriff davon, wieviel Arbeit es braucht, bis der Reis in der Tüte ist.

(Claudia Zeising)

Adresse

Verein zur Förderung der Entwicklung
ländlicher Räume im südlichen Afrika e.V.

Seydlitzstraße 21
23564 Lübeck

Spendenkonto

SARA Förderverein e.V.
IBAN: DE65 2305 0101 0001 0690 53
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